Tarifverhandlungen: Keine Einigung in Sicht
Tarifverhandlungen

Keine Einigung in Sicht

IMAGO / MiS
Die Arbeitgeber in der Fleischwirtschaft bieten einen Mindestlohn von 12 Euro. Das ist der NGG nicht genug.
Die Arbeitgeber in der Fleischwirtschaft bieten einen Mindestlohn von 12 Euro. Das ist der NGG nicht genug.

HAMBURG Die Tarifverhandlungen in der Fleischwirtschaft kommen nicht voran. Nach ihrem Treffen am gestrigen Dienstag haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft ergebnislos vertagt.

Mit seinem Angebot einer stufenweisen Erhöhung des Banchenmindestlohns auf 12,00 Euro bis 2024 habe man „einen wesentlichen Beitrag dafür geleistet, die Entgelte über dem gesetzlichen Mindestlohn deutlich anzuheben und verbindlich für alle Unternehmen der Branche zu regeln“, findet Theo Egbers vom Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW), der die Verhandlungen auf Arbeitgeberseite führt. Das Angebot sei völlig indiskutabel, hält Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dagegen: „Die Arbeitgeber wollen die Billiglöhne auf Jahre zementieren. So kommt die Branche niemals aus der Schmuddelecke heraus.“

25 Prozent mehr

Die Arbeitgeber hatten angeboten, den Mindestlohn vom 1. Juli 2021 an bis zum 1. Juli 2024 in vier Stufen von 10,00 Euro auf 12,00 Euro pro Stunde  anzuheben. Dann läge der tarifliche Mindestlohn um 25 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn von 9,60 Euro.

Für die Branche mit ihren mehr als 100.000 Beschäftigten sei das „eine bedeutende Wegmarke, die große ökonomische Herausforderungen für die Betriebe mit sich bringt“, erläutert VdEW-Hauptgeschäftsführer Vehid Alemić in einer Mitteilung an die Medien. In Teilen der Branche würden bisher Stundenlöhne auf der Basis des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 9,50 Euro bezahlt.

Die Forderungen der NGG liegt weit über dem Angebot der Arbeitgeber: Die Gewerkschaft will einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten in Schlachtung und Verarbeitung, einschließlich Geflügel, plus die Erhöhung des Mindestlohns auf 14,00 Euro pro Stunde nach einer kurzen Einarbeitungszeit sowie einen Mindestlohn von 17,00 Euro pro Stunde für Facharbeiter. Darüber hinaus sollen in einem weiteren Tarifvertrag die Mindestarbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Zuschläge und Urlaub für Beschäftigten in der Branche geregelt werden. Diese Tarifverträge sollen nach Wunsch der NGG vom Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dann würden sie unmittelbar und zwingend für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft gelten, unabhängig davon, ob er Arbeitgeber tarifgebunden ist oder nicht.

Raus aus der Schmuddelecke

„Das Arbeitsschutzkontrollgesetz bietet der Branche die Chance auf einen Neustart ohne Skandale und das Ende des jahrzehntelangen Unterbietungswettbewerbs. Die Fleischbarone sind drauf und dran, diese einmalige Chance wegzuwerfen“, bedauerte Adjan nach der gescheiterten Gesprächsrunde. Der VdEW hält hingegen die Forderung der Gewerkschaft NGG nach einer Erhöhung um rund 46 Prozent zum gesetzlichen Mindestlohn innerhalb von neun Monaten für realitätsfern. Für viele Betriebe der Fleischwirtschaft sei das existenzgefährdend.

Die Verhandlungen sollen am 29. März 2021 fortgeführt werden.

Quelle: fleischwirtschaft.de; VdEW; NGG
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