Tiergesundheit: Resistente Keime im Geflügel
Tiergesundheit

Resistente Keime im Geflügel

IMAGO / Gottfried Czepluch
Laut DUH lassen sich in jeder dritten Putenfleisch-Probe von Lidl und jeder vierten von Aldi antibiotikaresistente Keime nachweisen.
Laut DUH lassen sich in jeder dritten Putenfleisch-Probe von Lidl und jeder vierten von Aldi antibiotikaresistente Keime nachweisen.

BERLIN Auf Putenfleisch der Discounter Aldi und Lidl finden sich laut DUH Keime, die auch gegen Reserveantibiotika resistent sind und somit lebensgefährlich für Menschen werden können.

Auf jeder dritten Putenfleisch-Probe von Lidl und in jeder vierten von Aldi lassen sich Keime nachweisen, die gegen Antibiotika resistent sind. Das ist das Ergebnis einer Stichprobe von je 31 Proben pro Discounter aus der Haltungsstufe 2 (Stallhaltung Plus), die Katharina Schaufler von der Universität Greifswald im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durchgeführt hat.


„Die Laborergebnisse belegen eine teils massive Belastung des Fleischs mit Krankheitserregern mit besonders gefährlichen Antibiotikaresistenzen. Wir sind wenig überrascht, aber doch entrüstet“, sagte Reinhild Benning, Agrarexpertin der DUH, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. „Was uns jedoch wirklich beunruhigt ist die Rate der Keime, die auch gegen die Reserveantibiotika resistent sind.“ Bei Lidl war dies in jeder vierten (26 Prozent) der Proben der Fall, bei Aldi in jeder zehnten. Auch nach einer Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Bakterien mit Resistenzen gegen Wirkstoffe, die für die Humanmedizin besonders wichtig sind, besorgniserregend.
„Nur weil ein Gockel hustet, dürfen nicht 30.000 Hennen vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden.“
Frank Montgomery, Weltärztebund
„Nur weil ein Gockel hustet, dürfen nicht 30.000 Hennen vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden“, fasste Frank Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, die Gefahr prophylaktischer Antibiotikagabe in der Tierhaltung von Großbetrieben zusammen. „Infektionen mit resistenten Keimen sind schwierig zu behandeln, weil die entsprechenden Antibiotika nicht mehr anschlagen. Und so begrenzt ein banaler Keim unsere Möglichkeiten auf der Intensivstation völlig unnötigerweise. Wir müssen die Wirkung von Reserveantibiotika in der Humanmedizin unbedingt erhalten.“

Über gesetzliche Regelungen zu Antibiotika bei Tieren in der Fleischwirtschaft entscheidet im September das EU-Parlament. Die Umwelthilfe fordert EU-Parlament und -Kommission, den massenhaften Einsatz von Reserve-Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung schnellstmöglich zu verbieten. Auch nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sollte der Einsatz von Antibiotika  auf "das unbedingt therapeutisch notwendige Maß" reduziert werden.

„Dazu muss die Kommission mit einer Korrektur der Tierarzneimittelverordnung kurzfristig klarstellen, dass die neuen Regeln nicht für Einzeltiere wie Hund, Katze oder Pferd gelten“, stellte Benning auch im Hinblick auf eine Unterschriftenkampagne gegen ein weitreichendes Antibiotikaverbot des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte (bpt) klar.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 34/2021

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