Klimaschutz: Südpack setzt auf Nachhaltigkeit
Klimaschutz

Südpack setzt auf Nachhaltigkeit

Südpack
Aus alt mach neu: Recyceltes Granulat
Aus alt mach neu: Recyceltes Granulat

OCHSENHAUSEN Südpack kommt gut durch die Corona-Krise und bedient die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlicheren Verpackungen.

Rohstoffversorgung, Green Deal, Corona: Insgesamt hat Südpack das Jahr 2020 sehr gut gemeistert, wie Erik Bouts, Sprecher der Geschäftsführung des Herstellers von Verpackungsfolien für Lebensmittel, Non-Food, Medizingüter, Pharmaprodukte und technische Erzeugnisse, heute auf einer virtuellen Pressekonferenz bekanntgab.

Das habe nicht zuletzt daran gelegen, dass die Corona-Maßnahmen an allen Standorten konsequent umgesetzt worden seien. Denn so konnte die Südpack-Gruppe die Lieferfähigkeit und damit die verlässliche Belieferung der Kunden sicherstellen. Auf der anderen Seite profitierte der Verpackungsspezialist von einer in Pandemiezeiten erhöhten Nachfrage nach den Produkten, die für Produktschutz und Hygiene stehen und damit unter den aktuellen Rahmenbedingungen eine maximale Verbrauchersicherheit gewährleisten.

„Zunehmend kritische Lage an den Rohstoffmärkten, deren Ende heute noch nicht absehbar ist.“
Erik Bouts
Dennoch bleibe das Jahr 2021 eine besondere Herausforderung: „Neben den Einflüssen der Corona-Pandemie wurden die vergangenen Monate von einer zunehmend kritischen Lage an den Rohstoffmärkten bestimmt, deren Ende heute noch nicht absehbar ist“, so Bouts. Aber auch politische und gesetzliche Entwicklungen auf Länderebene, verbunden mit der Implementierung des „Green Deal“ der Europäischen Union beeinflussten den Handlungsrahmen. 

Von der angespannten Situation auf den Rohstoffmärkten sei auch Südpack seit Anfang des Jahres massiv betroffen. „Zu der Verknappung und unsicheren Belieferung mit Rohstoffen setzen auch teilweise drastische Preissprünge die gesamte Industrie unter Druck“, erläuterte Bouts. Bislang sei es Südpack mit enormem Planungs- und Dispositionsaufwand gelungen, die Belieferung der Kunden sicherzustellen. „Die Produktionsplanung und Belegung der Anlagen konnte, wenn auch mit hohen Effizienzverlusten, bis dato am Laufen gehalten werden.“

Erik Bouts ist Sprecher der Geschäftsführung der Südpack Gruppe
Südpack
Erik Bouts ist Sprecher der Geschäftsführung der Südpack Gruppe

Paradigmenwechsel in der Industrie

Aufgrund der politischen, gesetzlichen, ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen finde derzeit ein Paradigmenwechsel in der Verpackungsindustrie statt. Diese wirkten sich wiederum auf die öffentliche Meinung und damit auch auf das Verbraucherverhalten aus. Insbesondere in den vergangenen drei Jahren haben sich gesetzlichen Vorgaben massiv verschärft, wie der Südpack-Geschäftsführer ausführte.

  • 2018 wurde die Kunststoffstrategie der EU veröffentlicht
  • im gleichen Jahr manifestierte sich die Circular Plastics Alliance
  • 2019 stellte die EU den Green Deal vor
  • 2020 wurde der Circular Economy Action Plan verabschiedet.

Hieraus leiteten sich entsprechende Gesetze in den einzelnen Ländern ab, und zwar die Ökodesign-Richtlinie, das bereits 2015 verabschiedete Kreislaufwirtschaftspaket, die sogenannte Plastiksteuer sowie die unterschiedlichen länderspezifischen Abfall- und Verpackungsgesetze. „Sie alle geben den Takt in Bezug auf Recyclingfähigkeit, Materialreduzierung sowie eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffverpackungen vor. Für produzierende Unternehmen, für den Handel und ebenso für den Verbraucher und die Entsorgungsindustrie“, berichtete Bouts. Insgesamt sollten unter anderem die Ressourcenproduktivität bis 2030 um 30 Prozent gesteigert, die Deponierung um 25 Prozent reduziert und bis 2030 alle Kunststoffverpackungen komplett recyclingfähig sein. Zudem strebt die EU bis 2050 im Rahmen des Green Deal Klimaneutralität an.

Nachhaltige Verpackungen

Die Entwicklung im Markt spiegelt sich laut dem Südpack-Chef bereits deutlich sichtbar in eindrücklichen Werbekampagnen und Claims von Händlern und „Brand Ownern“, also Herstellern und Anbietern von Produkten, wider, die Nachhaltigkeit zum neuen Credo erheben. „Sie wiederum beeinflussen das Verbraucherverhalten nachhaltig. Konsumenten fordern heute in zunehmendem Maße innovative Verpackungslösungen, die die Nachhaltigkeitsziele erfüllen, auch wenn gerade in diesem Bereich noch erheblicher Entwicklungs- und Diskussionsbedarf besteht.“ Bei der Umsetzung dürfte es jedoch Probleme „in nicht unerheblichem Umfang“ geben, wie es Bouts formulierte. „Denn es existieren keine einheitlichen Regelungen über Ländergrenzen hinweg – was jedoch im Sinne einer intakten Umwelt aus Sicht von Südpack absolut zwingend und damit auch zielführend wäre.“

Als Beispiele für die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern nannte er zum einen die Einstufung unterschiedlicher Kunststoffe in Bezug auf deren Recyclingfähigkeit – in einigen Ländern werden Packstoffe aus Polyethylen (PE) präferiert, in anderen Ländern ist Polypropylen (PP) das bevorzugte Polymer. Zum anderen hinke man in Deutschland der Anerkennung des Chemischen Recycling als Recyclingtechnologie zur Erfüllung der vorgeschriebenen Quoten anderen Ländern wie beispielsweise dem Vereinigten Königreich (UK) hinterher. Gerade für exportierende Unternehmen bedeute die fehlende einheitliche Regelung innerhalb Europas einen enormen Aufwand hinsichtlich der Verpackungsentwicklung.

Investitionen in Wachstum

Südpack investiere seine Ressourcen auch weiter in ein nachhaltiges Wachstum. Dazu zählten neue Anlagen und Standorte ebenso wie der Ausbau der eigenen Expertise und gezielte Akquisitionen sowie Umstrukturierungen. Anfang 2021 wurde zum Beispiel die Übernahme des niederländischen Unternehmens LPF abgeschlossen, das auf die Entwicklung und Herstellung von bedruckten und unbedruckten Duplex- und Triplex-Kaschierverbunden für sensible Produkte spezialisiert ist. Gemeinsam mit dem Joint Venture Kamakshi Flexiprints in Indien entstehe zudem derzeit eine neue Produktionsstätte für Verpackungsfolien für die Lebensmittel- und Medizingüterindustrie in der Nähe von Ahmedabad, die im zweiten Halbjahr 2021 in Betrieb gehen soll. Darüber hinaus sei seit 2020 das vollautomatische Hochregallager und Logistikzentrum in Erolzheim angesiedelt. 
Last but not least verwies Bouts auf die strategische Kooperation mit dem Recyclinghersteller Recenso aus Remscheid, mit der Südpack als erster Folienhersteller im Markt dazu beitrage, in der Verpackungsindustrie weitere Kreisläufe zu schließen. „Ziel ist es, aus mechanisch nicht recyclingfähigen Materialien im industriellen Maßstab mit dem chemischen Recycling wertvolle Rohstoffe zu gewinnen“, erläuterte der Südpack-Geschäftsführer. „Beide Partner beweisen damit, dass Wertstoffe, die bei der Folienherstellung entstehen, keine Abfälle, sondern tatsächlich eine wertvolle Ressource sind.“ Aus Sicht von Südpack sei das chemische Recycling ein elementarer Baustein, um Produkte im Kreislauf zu halten, den Einsatz von fossilen Rohstoffen zu reduzieren und damit zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beizutragen. „Daher wird Südpack auch in Zukunft aktiv an der Weiterentwicklung und Implementierung dieses Verfahrens arbeiten.“

Freiwillige Nachhaltigkeitsziele

Zum dritten Mal in Folge veröffentlicht Südpack auf freiwilliger Basis einen Nachhaltigkeitsbericht. Im Rahmen der „Nachhaltigkeits-Offensive“ stieß Südpack auch verschiedene Initiativen an, die insbesondere die Aspekte Materialreduzierung, Recyclingfähigkeit, nachwachsende Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft berücksichtigen. Als Nachhaltigkeitsziele setzt sich das Unternehmen aus Baden-Württemberg neben einer Verbesserung der CO2-Bilanz und der Nutzung unterschiedlichster Recycling-Technologien in der Kreislaufwirtschaft auch, ihrer sozialen Verantwortung weiter gerecht zu werden. „Denn eine auch künftig intakte Umwelt und sozialverträgliche, gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind Grundlage für langfristigen und wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb ist die richtige Balance zwischen Ökonomie, sozialer Verantwortung und Ökologie anzustreben, wobei Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Orientierung dabei keinen Widerspruch bilden“, argumentiert Bouts. Südpack sei stolz darauf, nicht nur im Bereich Technologie, Produktentwicklung, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft eines der führenden Unternehmen in der Branche zu sein, sondern auch seiner Verantwortung als Arbeitgeber und als fest in der Region verwurzeltes Unternehmen umfassend gerecht zu werden.

Quelle: fleischwirtschaft.de
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